Patrul Rinpoche

Patrul Rinpoche (1808 - 1887)

   

Besondere Belehrung des weisen und glorreichen Königs.

Von Patrul Rinpoche

Dieser Text ist eine Ausführung des Textes „ Das Treffen der Essenz in den drei Worten“ von Garab Dorje – den man als die Essenz des Dzogchen Pfades betrachtet - mit eigenem Kommentar von Patrul Rinpoche.


Hierin ist Die besondere Belehrung des weisen und glorreichen Königs enthalten, zusammen mit seinem Kommentar. Verehrung dem Meister!

Die Sicht ist Longchen Rabjam: grenzenlose, unermessliche Weite.
Meditation ist Khyentse Öser: Strahlen der Weisheit und Liebe.
Handlung ist Gyalwe Nyugu, die der Bodhisattvas.
Wer auf diese Weise praktiziert, kann durchaus Erleuchtung in diesem jetzigen Leben erlangen,
und selbst wenn nicht – welch Glück! Welche Freude! Was die Sicht betrifft, Longchen Rabjam,
treffen drei Worte den entscheidenden Punkt.
Zuerst, entspanne und löse Deinen Geist,
weder zerstreut noch konzentriert, ohne Gedanken.
Während Du in diesem ausgeglichenen Zustand ruhst, ganz gelassen,
stoße plötzlich ein Geist-erschütterndes „Phät!“ aus,
energisch, kraftvoll und abrupt. Erstaunlich!
Da ist nichts: gebannt vor Verwunderung,
verblüfft und betroffen, und doch ist alles durchscheinend und klar.
Frisch, rein und unvermittelt, daher unbeschreibbar:
Erkenne dies als das reine Gewahrsein des Dharmakaya.
Der erste entscheidende Punkt ist: die direkte Einführung des Angesichts von Rigpa in sich selbst.
Dann, ob im Zustand der Bewegung oder Stille,
der Wut oder Verhaftung, des Glücks oder Leids,
jederzeit, in allen Situationen,
erkenne jenen Dharmakaya, den du zuvor erkanntest,
und Mutter- und Kind-klares-Licht, bereits miteinander vertraut, werden sich wieder vereinen.
Ruhe im Aspekt des Gewahrseins, jenseits aller Beschreibung.
Stille und Glückseeligkeit, Klarheit und Denken:
Unterbrich sie wieder und wieder.
Mit einem plötzlichen Ausstoss der Silbe von geschickten Mitteln und Weisheit.
Ohne Unterschied zwischen Meditationen und Nach-Meditation,
keine Trennung zwischen Sitzungen und Pausen,
verbleibe immer in diesem unteilbaren Zustand.
Doch bis Stabilität erlangt ist,
ist es unabdingbar zu meditieren, fern aller Ablenkung und Geschäftigkeit,
und die Praxis in formelle Meditationssitzungen aufzuteilen.
Jederzeit, in allen Situationen,
verbleibe im Fluss dessen, was einfach der Dharmakaya ist.
Entscheide mit absoluter Überzeugung, dass es nichts anderes gibt als dies –
Der zweite entscheidende Punkt ist: Entscheide dich für eines, und Eines allein.

An diesem Punkt – ob Anhaftung oder Ablehnung, Glück oder Leid –
Bleibt von allen flüchtigen Gedanken, ausnahmslos,
im Moment des Erkennens keine einzige Spur.
Erkenne den Dharmakaya, in den sie befreit sind,
und genau wie auf Wasser Geschriebenes verschwindet,
wird Entstehen und Befreiung selbstverständlich und unaufhörlich.
Und was immer entsteht, ist Nahrung für die nackte Rigpa-Leerheit,
was immer sich im Geist regt, ist die innere Kraft des Dharmakaya-Königs,
keine Spur hinterlassend und von Natur aus rein. Welche Freude!
Die Art, wie Dinge entstehen, mag so sein wie zuvor,
doch der Unterschied liegt darin, wie sie befreit werden: Das ist der Schlüssel.
Ohne dies ist Meditation nichts als der Pafd der Verblendung,
mit ihm ist selbst, wenn man nicht meditiert, der zustand des Dharmakaya präsent –
der dritte entscheidende Punkt ist: Direkte Zuversicht in die Befreiung entstehender Gedanken.  

Für die Sicht, die die drei entscheidenden Punkte enthält,
ist Meditation, die Vereinigung von Weisheit und Liebe,
begleitet von der Handlung, die allen Bodhisattvas gemeinsam ist.
Würden alle Bodhisattvas sich beraten,
fänden sie keine Anweisung großartiger als diese,
hervorgebracht als Schatz aus der Tiefe transzendenter Einsicht,
durch den Tertön des Dharmakaya, die innere Kraft des Rigpa,
nicht vergleichbar mit gewöhnlichen Schätzen aus Erde und Stein,
denn es ist das letzte Vermächtnis von Garab Dorje,
die Essenz des Weisheitsgeistes der drei Übertragungen.
Es ist meinen Herzensschülern anvertraut, unter dem Siegel der Verschwiegenheit.
Es ist von tiefgründiger Bedeutung, die Worte meines Herzens.
Es ist mein Herzenswort, der entscheidende Schlüsselpunkt.
Diesen entscheidenden Punkt: Schätze ihn nie gering.
Lass niemals zu, das diese Anweisung dir verloren geht.
Das ist die besondere Belehrung des glorreichen Königs.  

Verehrung dem unvergleichlichen Herrn des Mitgefühls,
meinem Wurzelmeister, in all seiner Güte!