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Die verschiedenen buddhistischen Pfade
Es gibt im Buddhismus verschiedene Pfade, das buddhistische Ziel der Erleuchtung - die Wirklichkeit in ihrer höchsten Form, jenseits alles Relativen, zu erfahren - zu erreichen. Dazu gehört zunächst der Weg des Hinayana, des so genannten "kleinen Fahrzeugs", auf dem die Praktizierenden höchste Erkenntnis auf dem Wege suchen, auf dem es gilt, vor allem die so genannten 10 unheilsamen Handlungen zu vermeiden, selbstlos zu handeln, nach den Lehren Buddhas zu leben (gemeint sind hier ausschließlich die alten Palitexte aus Buddhas Zeit und deren spätere Interpretationen) und so nach und nach positive Verdienste anzusammeln, den Geist zur Ruhe zu bringen und so es zu ermöglichen, eines Tages höchste Erkenntnis zu erlangen. Die in der klassischen buddhistischen (Theravada-)Tradition aus der Zeit Buddhas direkt überlieferten Schriften (und ich glaube auch die des Zen, bin da aber nicht sicher) behandeln nur diesen Weg.
Die tibetisch-buddhistische Tradition sagt nun aber, dass es noch weitere Überlieferungen direkt von Buddha gab, die aber in den folgenden Jahrhunderten von seinen Schülern zunächst nur mündlich im Geheimen oder per geistiger Übertragung weitergegeben wurden. Dazu gehören die Wege des so genannten Mahayana, des "großen Fahrzeugs", die sich aus der indischen Nalanda-Tradition des Buddhismus herleiten. Der Weg des Mahayana ist der Weg der Anbetung sogenannter Meditationsgottheiten, wobei es sich nicht um Gottheiten im üblichen Sinne handelt, sondern um Verkörperungen bestimmter Eigenschaften aller Buddhas, die sich der Praktizierende durch diese Anbetung schneller zu eigen machen will.
Innerhalb des Mahayana gibt es noch das Vairayana, das so genannte "diamantene Fahrzeug". Es arbeitet mit Meditationen und Übungen, in denen der Praktizierende sich selbst direkt als die Meditationsgottheit wahrnimmt, das angestrebte Ergebnis seiner Bemühungen also sozusagen "vorwegnimmt", um so noch schneller das erstrebte Ziel der Erleuchtung zu erreichen. Diese Praktiken sind zwingend mit dem Bodhisattva-Gelübde verbunden, d.h. zu geloben selbst zum Wohle aller Wesen den Weg der Buddhas zu beschreiten und solange wiederzukehren, bis auch das letzte Wesen erlöst ist. In diesem Sinne ist also der ein Bodhisattva, der dies gelobt und den Weg der Buddhas tatsächlich beschritten hat.
Diese Rituale und Meditationen, die Meditationsgottheiten im Zentrum ihrer Praxis haben, nennt man auch Tantras (wobei das nichts mit den gleichnamigen indischen Sexualübungen zu tun hat). Diese buddhistischen Tantras sind Formen geistigen Yogas, die, je nachdem auf welcher Ebene man hauptsächlich praktiziert, wiederum in vier oder sechs Kategorien eingeteilt werden.
(die drei "äußeren" Tantras)
1. Kriyayoga
2. Caryayoga
3. Yogatantra
(die drei "inneren" Tantras)
4. Mahayoga
5. Anuyoga
6. Atiyoga (Dzogchen) (die 4er-Einteilung fasst die drei inneren Tantras unter dem Begriff Anuttaratantra zusammen)
Die äußeren Tantras beruhen im wesentlichen auf den Methoden der Reinigung und Vorbereitung auf die Erlangung der Weisheit der Erwachten. Die Kriyatantras legen Wert auf rituelle Verhaltensregeln, Reinigung, Fasten usw., sowie auf die Visualisierung der Gottheit als äußere Wesenheit im Bezug auf das Individuum.
Die Yogatantras beruhen im Gegensatz dazu auf der Praxis der inneren Visualisation der Gottheit mit Hilfe relativ einfacher Methoden der Transformation.
Die Caryatantras greifen bei den rituellen Verhaltensregeln auf das Kriyatantra zurück, bei der internen Visualisierung auf das Yogatantra.
Die "inneren" Tantras Mahayoga und Anuyoga beruhen auf dem Prinzip der Transformation der Leidenschaften und karmischen Energien in Weisheit. Diese Praxis beinhaltet zwei wesentliche Phasen: die Entwicklungs- (kyerim) und dieVollendungsphase (dzogrim). In der Entwicklungsphase visualisiert man man stufenweise die reine Dimension der Gottheit, Mandala genannt, sowie die Gestalt der Gottheit, genannt yidam. In der Vervollkommnungsphase konzentriert man die Visualisierung der Transformation im inneren des eigenen Körpers in der dreifachen Struktur der eigenen Nadi (nichtmaterielle Energiekanäle), in denen die Energie zirkuliert - der Prana, die Lebensenergie des Körpers und die Kundalini, die Essenz des Potentials der Pranaenergie. Die Praktiken gehören zum Mahayoga und entsprechen dem modernen Anuttaratantra. Das Anuyoga, das es nur in der alten Tradition gibt, legt höchsten Wert auf die augenblickliche Visualisierung der Gottheit und ihrer reinen Dimension und auf die Vervollkommnungsphase.
Atiyoga oder "ursprünglicher Yoga" ist gleichbedeutend mit Dzogchen. Wenn auch als ein inneres Tantra klassifiziert, übersteigt es diese aber, weil es ein Weg direkter Selbstbefreiung und nicht der Transformation ist. Dieser Weg der direkten Selbstbefreiung ist möglich dadurch, dass der Schüler nach entsprechender Vorbereitung von seinem Meister direkt in die unmittelbare Wahrnehmung der ursprünglichen Natur seines eigenen Geistes eingeführt wird.
      
guru idam ratnam mandalakam niryatayami
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