Weisheiten aus aller Welt.

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WENN DU NICHT WÄRST . . .

 Wenn Du nicht wärst,
 Sag mir, wer hätte mich geschaffen ?
 Ich existiere nur durch Dich.

 Ich hatte keinen Namen, keine Form und kein Gesicht,
 Keinen Platz in irgendeinem Herzen,
 Für niemanden existierte ich.

 Eines Tages aber hast Du an mich gedacht,
 Und ich begann zu sein;
 Du riefst mich bei meinem Namen,
 Und ich war in die Welt gekommen.
 Aus der Nacht Deiner Ewigkeit sprachst Du meinen Namen,
 Diesen Namen, der nur der meine ist.
 Dieser einzige Name, geheim und geheimnisvoll.
 Der keinem anderen gilt, als mir allein.
 Den kein anderer kennt, als Du allein.

 Dieser Name, der mein erster ist und der mein letzter sein wird,
 Mit dem ich meine erste Kindheit begann,
 Und durch den ich mich noch einmal bilden werde
 Bei meiner zweiten Geburt,
 Denn er wird mir offenbart werden
 Auf jenem weißen Kieselstein.

 Eines Tages hast Du an mich gedacht,
 Und Dein Gedanke nahm Formen an,
 Und Dein Gedanke ist Fleisch geworden,
 Und er ist Blut geworden, und er ist Leben geworden,
 Mein Fleisch, mein Blut, mein Leben.

 Und jedes meiner Glieder,
 Auch diese Beine und diese Füße
 Für Schritt, Lauf, Sprung und Tanz,
 Und diese Arme, diese Hände
 Für den Dienst am Nächsten und für die Umarmung.

 Und diesen Leib und seine inneren Kräfte,
 Um die Substanzen der Erde in mir zu verwandeln,
 Und das wundersame Organ zur Weitergabe des Lebens,
 Und das Glück zu kosten, lieben und schenken zu dürfen.

 Eines Tages hast Du Dich über mich geneigt,
 Über mich, der ich noch nicht war,
 Du hast Deine Hände in die dunkle Erde getaucht,
 Und in den gelben Lehm und in den roten Ton,
 Und Du hast mich erfunden, und Du hast mich geformt,
 Und Du hast mich hervorgehen lassen
 aus dem Urgrund der Welt, aus dem Leib dieser Erde
 Und aus Deinem Mutterherzen.

 Seit frühester Zeit hast Du mich erdacht.
 Durch die Länge der Nächte hast Du mich langsam gestaltet,
 Durch die Länge der Tage hast Du mich reifen lassen
 In Deinem Herzen,
 Und Du gebarst mich seit Ewigkeiten und Zeiten,
 Bevor Du mich erscheinen ließest
 In dieser Welt.

 Du hast mein Gesicht erträumt
 Und als ein Bild empfangen, bevor ich geboren wurde.
 Du hast meine Augen geschaut und meine Haut,
 Und dieses seltsame Haar,
 Von dem ich nicht eines verlieren werde
 Ohne Deinen Willen.

 Du hast diesen Mund gestaltet mit diesen Lippen
 Für das Lächeln, das Wort und den Kuss
 Und für das Mahl, das die Menschen erneuert,
 Und das sie zusammenführt und vereint.

 Diese Lippen voll Verlangen,
 An der Quelle der Dinge zu trinken,
 Sind Dein Werk,
 Und diese Kehle, dieser Gaumen,
 Um zu schmecken, wie gut Du bist!

 Du hast Dich über mich geneigt und mir einen Leib geschaffen.
 Du hast Dich über mich geneigt
 Und mir ein Gesicht geschaffen.
 Du hast Dich über mich geneigt am ersten Morgen.
 Im ersten Garten bei der ersten Morgendämmerung.
 Und Du hast mich in Deine Arme genommen,
 Du - ein Liebender!
 Und Mund zu Mund gabst Du mir Leben.
 Dein Leben.

 Dein Kuss und Dein Atem sind in mein Wesen eingedrungen,
 Haben meine Adern erfüllt und meine Glieder.
 Und mein Körper erzitterte,
 Und meine Augen öffneten sich,
 Und ich habe Dich geschaut,
 Und ich sah Deinen Blick,
 Und ich sah Dein Lächeln.

 Und ich habe verstanden,
 Dass Du mein Leben bist,
 Mein Alles, mein Gott.

 Wenn Du nicht wärst,
 Sag mir, wie könnte ich existieren?
 Ich existiere nur durch Dich,
 Durch Deinen Kuss und Deinen Atem,
 Durch Dein Leben.

 Eines Tages hast Du an mich gedacht,
 Als ich noch nicht existierte,
 Du gabst mir einen Namen, einen Leib und ein Gesicht,
 Dir ähnlich hast Du mich geschaffen,
 Fähig zu verstehen und fähig zu lieben.

  Aus Deiner Lebenssubstanz und Deinem Wesen,
  Hast Du mich geboren.
  Wie eine Mutter hast Du mich gezeugt und getragen
  Und in die Welt gesetzt.

  Ich bin von Dir,
  Ich bin durch Dich,
  Wenn Du nicht wärst, sag mir, wie könnte ich existieren?

  So wie die Frucht an den Baum, bin ich an Dich gebunden.
  Über dem Nichts erlebe ich mich,
  Aber gebunden an Dich,
  Über der Nacht und in der ewigen Leere,
  Aber gebunden an Dich.

  Wie das Ungeborene eins ist mit seiner Mutter
  Durch die Lebensschnur, ohne die es nichts wäre,
  So bin ich eins mit Dir,
  Gebunden an Dein Leben,
  Das mich durchfließt in jedem Augenblick.

  Wie das Kleine selig die Milch der Mutter nimmt,
  Hängend an ihrer Brust,
  So ist mein Mund an Deine mütterliche Brust gelegt,
  An Dich, der Du mir jeden neuen Herzschlag schenkst.

 Hingebend schläft inmitten des Tumults der Welt,
 Bei Stürmen und bei Finsternis,
 So übergebe ich mich Dir.

 Wenn Du nicht wärst, meine Liebe und mein Leben,
 Sag mir, wer hätte mich geschaffen?
 Wie existierte ich? Warum existierte ich?
 Für wen existierte ich?

(Henri Boulad)

diese wunderschöne Lyrik bekam ich von Jonny


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